Vorsorge-Darmspiegelung / Vorsorge-Koloskopie

Darmspiegelung Singen.Gastroenterologie Singen nähe Bodensee.

Ziel der sog. Vorsorgekoloskopie oder Vorsorge-Darmspiegelung stellt die Vermeidung von Erkrankungen und Todesfällen an Dickdarmkrebs dar. Die Zielgruppe dieser Untersuchungen sind dabei beschwerdefreie Menschen, die jedoch sog. Adenome als mögliche Vorstufen eines Dickdarmkarzinoms in sich tragen oder bei denen bereits eine bisher nicht symptomatisch gewordene frühe Dickdarmkarzinomerkrankung vorliegt.
Das Dickdarmkarzinom (umgangssprachlich als Darmkrebs bezeichnet) stellt eine bei Männern und Frauen sehr häufige Krebserkrankung dar. Es wird geschätzt, dass mehr als 6% der Deutschen im Laufe Ihres Lebens an Darmkrebs erkranken. Pro Jahr sind in Deutschland ca. 65.000 neu erkrankte Menschen beklagen. Männer und Frauen sind davon ungefähr gleich häufig betroffen. Mit zunehmendem Alter wird die Erkrankung häufiger. Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen wie dem Lungenkrebs oder dem Leberkrebs sind keine ganz klaren Risikofaktoren feststellbar.
Typische Beschwerden bei Vorliegen von Dickdarmkrebs sind das Auftreten von Bauchschmerzen, von Stuhlgangsveränderungen und das Vorliegen einer Blutarmut, gelegentlich auch das Auftreten einer sichtbaren Darmblutung. Oftmals allerdings ist die Erkrankung über längere Zeit nicht von Beschwerden begleitet.
Aus den oben angeführten Gründen ist es deshalb sinnvoll, auch bei beschwerdefreien Menschen nach dieser Erkrankung zu suchen. Es ist bekannt, dass je früher ein Dickdarmtumor erkannt wird, desto besser die Krebserkrankung dann behandelt werden kann. Die Heilungschancen sind bei einem frühen Dickdarmtumor wesentlich größer als bei einem bereits fortgeschrittenen Krebsleiden.
Ein weiterer Umstand macht die Vorsorge-Darmspiegelung doppelt sinnvoll. In aller Regel entwickelt sich ein Dickdarmkrebs aus gutartigen Vorstufen, den sog. Adenomen. Hierbei handelt es sich um langsam wachsende gutartige Geschwülste im Dickdarm, die in aller Regel keine Beschwerden verursachen. Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten können sich diese Polypen aber vergrößern und in der Struktur verändern, so dass letztendlich ein Übergang in ein bösartiges Dickdarmkarzinom erfolgen kann.
Im Rahmen der Koloskopie können solche Polypen entdeckt und dann mit verschiedenen Techniken auch in der gleichen Sitzung entfernt werden, so dass mit hoher Effektivität auch schon die Vorstufen eines Dickdarmkarzinoms viele Jahre vor der eigentlichen Entartung entdeckt und entfernt werden können.
Die Vorsorge-Koloskopie oder Vorsorge-Darmspiegelung hat dabei eine hohe Genauigkeit in der Erkennung von Polypen. Es wird angenommen, dass ca. 97% der vorhandenen Adenome tatsächlich erkannt werden können.
Was sich in der Theorie  sehr plausibel zeigt, hat sich nun in den vergangenen Jahren in mehreren großen Untersuchungen auch in der Realität bestätigt. Das Risiko, an einem Darmkrebs zu erkranken, kann bei Menschen durch Teilnahme an der Vorsorge-Darmspiegelung tatsächlich um über 2/3 gesenkt werden.
Seit etlichen Jahren besteht nun von Seiten der gesetzlichen Krankenkassen das Angebot, ab dem 55. Lebensjahr eine Vorsorge-Koloskopie durchführen lassen zu können. 10 Jahre danach ist dann nochmals die Durchführung der 2. Vorsorge-Koloskopie möglich.
 
Die Untersuchung wird von Spezialisten für den Magen-Darm-Trakt, den sog. Gastroenterologen, oder von fachärztlichen Internisten, mit der speziellen Qualifikation zur Durchführung einer Darmspiegelung, erbracht. Die Untersuchung ist in aller Regel ambulant durchführbar. Durch Verbesserungen bei den Abführmitteln ist die obligatorische Darmspülung deutlich weniger belastend als noch vor 20 Jahren. Dank der Möglichkeit einer kurz wirksamen, in das Blut verabreichten, Betäubungsspritze ist die Untersuchung auch sehr schmerzarm bis sogar schmerzfrei durchführbar.
Die Untersuchung erfolgt dabei mit dünnen und biegbaren Endoskopen. Mittels moderner digitaler und elektronischer Bildtechnologien wird dabei das Darminnere in hoher Bildqualität auf einen Monitor übertragen, wo eine genaue Beurteilung der Darmschleimhaut möglich ist. Die Untersuchungsdauer beträgt in der Regel 15-20 Min.; danach können die Patienten nach einer kurzen Überwachungsphase dann wieder nach Hause entlassen werden.
Werden während der Untersuchung Polypen entdeckt, so können sie, je nach Größe und Lage, entweder mit Biopsiezangen oder mit sog. Schlingen entfernt werden. Bei Einsatz dieser Schlingen wird dann mithilfe von elektrischem Strom die Abtragungsstelle gleichzeitig verödet, um das Blutungsrisiko möglichst zu minimieren.
Entfernte Polypen werden dann zur feingeweblichen Untersuchung eingesandt, um eine genaue Einstufung und dadurch auch eine genauere Risikoeinschätzung durchführen zu können.
Erfreulicherweise ist bei der Vorsorgedarmspiegelung mit einer nur sehr geringen Komplikationsrate zu rechnen. Mögliche, zum Glück aber nur sehr selten auftretende Komplikationen stellen eine Blutung oder Entzündung nach Polypentfernung dar. Eine weitere, sehr gefürchtete, zum Glück aber ebenfalls nur sehr selten auftretende Komplikation stellt die sog. Perforation dar, d.h. das Auftreten eines Loches in der Darmwand mit daraus resultierendem Übertritt von Darmbakterien in die freie Bauchhöhle und der Gefahr einer potentiell lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung. In einem solchen Fall sind in aller Regel der Einsatz von Antibiotika sowie ein chirurgischer Baucheingriff erforderlich, um die Perforation frühzeitig zu beheben. Auch auf den Einsatz von Betäubungsmitteln zurückzuführende Komplikationen sind äußerst selten dank der heutzutage sehr kurz wirksamen und dadurch sehr gut steuerbaren diesbezüglichen Arzneimittel.
Gleichwertige alternative Untersuchungsmethoden liegen bis zum heutigen Tage nicht vor. Der früher häufig eingesetzte und auch heute noch immer als zweitbeste Vorsorgemaßnahme geltende Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhlgang zeigt eine vergleichsweise geringe Genauigkeit. Somit kann er einerseits sogar große Polypen oder – noch schlimmer - Karzinome übersehen, andererseits ein auffälliges Ergebnis liefern, ohne dass eine relevante Erkrankung vorliegt. Ist das Testergebnis dann positiv für das Vorliegen von Blut, so ist daran anschließend meist eine ergänzende Durchführung einer Koloskopie erforderlich.
Die in den letzten Jahren zunehmend entwickelten Verfahren mithilfe von Computertomographie und Kernspintomographie sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgereift genug. Auch hier gilt, dass bei Auffälligkeiten dann eine endoskopische Koloskopie angeschlossen werden muss, weil nur mithilfe der Endoskopie dann eine Polypentfernung bzw. eine Probengewinnung für eine feingewebliche Untersuchung möglich ist.
In unserer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis in der Virchowstr. 10 c in Singen sowie in unserer Zweigpraxis in der Bahnhofstr. 12 in Donaueschingen führen wir regelmäßig Vorsorge-Koloskopien durch.
Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Menschen das Angebot zur Vorsorge wahrnehmen, um damit das individuelle Darmkrebsrisiko nachhaltig zu senken.