Onkologie Hegau und Bodensee

tl_files/onkologie_theme/img/rundgang/03_Tagesklinik.jpg

Ein großer Schwerpunkt unserer Praxis ist die Onkologie – also die Diagnose und Therapie bösartiger Erkrankungen.
In vielen Ländern (unter anderem USA und Schweiz) wird die Onkologie als die Lehre von den bösartigen soliden Krebserkrankungen (z.B. Brustkrebs, Magenkrebs, Lungenkrebs) abgegrenzt von der Hämatologie, der Lehre von den Bluterkrankungen. Die Hämatologie selbst teilt sich auf in die Lehre der bösartigen Bluterkrankungen (also im Wesentlichen Leukämien und Lymphome) und gutartigen Bluterkrankungen (z.B. Thalassämien, Hämolysen – insgesamt in Deutschland eher selten). In Deutschland erfolgt nach der Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin die weitere Subspezialisierung zum Hämatologen UND internistischen Onkologen. Beide Fachgebiete werden gemeinsam abgedeckt, was sinnvoll ist, da erhebliche Überlappungen bestehen und die eingesetzten Medikamente für solide Tumorerkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs..) wie für Blutkrebserkrankungen teilweise identisch sind.

Die drei Praxisinhaber – Dr. Fietz, Dr. Hertkorn, Dr. Banhardt – sind Hämatologen und Onkologen und bilden zusammen die einzige hämatologisch-onkologische Schwerpunktpraxis im Kreis Konstanz-Singen.  Eine ambulante onkologische Versorgung wird darüber hinaus von den Krankenhäusern Konstanz (medizinisches Versorgungszentrum) und Singen (Ermächtigungsambulanz) angeboten.
Aufgrund unserer Zweigpraxen und der guten Anbindung der Stammpraxis in Singen an die Verkehrswege wird ein großes Einzugsgebiet abgedeckt, neben dem Kreis Konstanz-Singen insbesondere der Hegau.
Da die Onkologie gerade in den letzten Jahren erheblichen Veränderungen ausgesetzt war, mittlerweile >80% der Therapien ambulant stattfinden und regelmäßig neue Medikamente auf den Markt kommen, kann eine Versorgung krebskranker Patienten z.B. in der Region Hegau nur in Zusammenarbeit mit hochspezialisierten Fachpraxen wie uns erfolgen. Unsere Aufgabe wiederum ist es, neben einer Ausstattung auf dem derzeitigen Stand der Versorgung (moderne Praxisräume mit allen Möglichkeiten der ambulanten infusionalen Therapie, diagnostische Maßnahmen inklusive Lymphknotenstanzpunktionen, Knochenmark- und Liquorpunktionen inklusive Befundung, Qualitätskontrolle und Zertifizierung) auch den zeitnahen Zugang zur Versorgung zu sichern.  Für dringende onkologische Fragen und eilige Therapieeinleitungen werden daher gesonderte rasche Termine vergeben.
Erfreulicherweise ist in Deutschland zumindest der Transport zur Chemotherapie gesetzlich geregelt: es handelt sich hier (wie auch bei Fahrten zur Strahlentherapie oder Dialyse) um eine Kassenleistung. Wer also z.B. aus dem Hegau in unsere Schwerpunktpraxis zur Behandlung einer Krebserkrankung  kommt, dem wird an den Chemotherapietagen das Taxi von der Krankenkasse bezahlt. Auch wenn man bei den meisten Therapien selbst fahren kann, stellt dies eine erhebliche Entlastung dar. Auf Antrag zahlen die Kassen auch einen Zuschuß zu den eigenen Fahrtkosten.

Beratung und Therapieplanung

Um sich umfassend mit einer Tumorerkrankung auseinanderzusetzen zu können, ist Zeit ein wichtiger Faktor. Bitte geben sie daher insbesondere bei Vereinbarungen des ersten Sprechstunden Termins den Grund und die Erkrankung an, damit wir genug Zeit einplanen können. Bringen sie Unterlagen, Krankenhausberichte, Laborbefunde und die Ergebnisse radiologischer Untersuchungen bitte mit. Wenn sie die Unterlagen selbst in der Hand haben, kommen sie auch sicher bei uns an, vorher zusenden ist nicht erforderlich.
Vier Ohren hören mehr als zwei, gerne können sie einen guten Freund oder einen nahen Angehörigen mitbringen, der beim Gespräch anwesend ist und ihnen helfen wird das besprochene besser zu erinnern.

Portsystem und venöse Zugänge

Viele unserer Therapien (Chemotherapie, Antikörpertherapie) erfordern venöse Zugänge und werden als Infusion durchgeführt. Die wiederholten Venenpunktionen sind zum einen belastend und zeitraubend, zum anderen ist ein guter venöser Zugang mit der Zeit immer schwieriger zu finden. Hinzu kommt, dass manche Medikamente die Vene reizen, so dass auf Dauer die Venen am Unterarm oder Ellenbeuge vernarben können.
Eine sinnvolle Alternative stellt in diesen Situationen ein so genannter Port-A-Cath dar. Hierbei handelt es sich um einen dünnen Katheter, der über einer Vene im Bereich des Schlüsselbeines in das Gefäßsystem eingebracht wird. Der Katheter endet unter der Haut in einer ca. 1cm durchmessenden Kammer.  Man kann nun durch die Haut die Membran dieser Kammer anstechen und mittels einer geeigneten Nadel die Flüssigkeiten infundieren. Ein zeitraubendes und belastendes Venensuchen bleibt erspart, sobald die Nadel gezogen ist wird die Kammer von intakter Haut überdeckt. Duschen, baden und schwimmen sind dann wieder problemlos möglich.
Die Portimplantation erfolgt in der Regel ambulant in lokaler Betäubung, die Portsysteme sind bei entsprechender Pflege fast unbegrenzt einsetzbar. Es gibt portassoziierte Probleme (Infektionen, Thrombosen), diese sind aber insgesamt selten.
Nach Beendigung der Chemotherapie kann der Port belassen werden, sollte dann jedoch regelmäßig (z.B. 3-monatlich) gespült werden.

Chemotherapie

Im weiteren Sinne ist jede Tablette oder Flüssigkeit, welche sich gegen das Wachstum einer Krebszelle richtet, eine Chemotherapie. Neben den „klassischen“ Chemotherapeutika, welche schon seit Jahrzehnten bekannt sind und Nebenwirkungen wie Haarausfall, Durchfall, Erbrechen machen sowie des Immunsystem schwächen können, setzen wir auch immer häufiger neuere Substanzgruppen ein. Diese Substanzen richten sich zum Teil gezielt gegen Tumorzellen und greifen gesunde, unbeteiligte Körperzellen nicht oder nur in geringem Maße an. Diese Substanzen sind zum Beispiel zielgerichtete Antikörper oder auch so genannte „small molecules“, also Weiterentwicklungen von Medikamenten welche oftmals in Tablettenform  das Tumorzellwachstum hemmen. Diese neuen Medikamente haben zum Teil spezifische Nebenwirkungen wie Akne oder Müdigkeit (Fatigue). Je nach Medikament werden spezielle Begleitmedikationen oder Kontrolluntersuchungen (z.B. Herzecho bei Gabe des Antikörpers Herceptin) erforderlich.
Um alle diese Therapieformen zu koordinieren erhalten sie einen Chemotherapiepass, in dem die wichtigen Daten (Therapieform, Dosierung der Medikamente, Kontrolle der Blutwerte, Name und Anweisung der einzunehmenden Medikamente) notiert werden. Falls Blutbildkontrollen beim Hausarzt durchgeführt werden, bitten wir diese Werte hier einzutragen. Unser Fachpersonal mit onkologischer Zusatzausbildung steht ihnen hier jederzeit helfend zur Seite.
Außerhalb der Sprechstundenzeiten erreichen sie uns über die auf dem Chemotherapiepass angegebene Mobilfunknummer. Während der Sprechstundenzeiten bitten wir, bei dringenden Fragen die Anmeldung zu kontaktieren (Praxistelefonnummer).

Klinische Studien

Es ist uns ein Anliegen, neue Medikamente für sie rasch verfügbar zu machen und zum Teil schon vor der Markteinführung Zugriff auf vielversprechende, neue Therapieansätze zu haben. Auch die etablierten Therapien müssen in ihrer Wirksamkeit überprüft  und optimiert werden. Dies ist nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien möglich.
Über die letzten Jahre haben wir unsere Studienaktivität kontinuierlich gesteigert. Medizinisch geprüfte Dokumentare und Studiendokumentare kümmern sich gemeinsam mit den Ärzten um die studiengerechte Versorgung, denn die Teilnahme an einer großen Untersuchung erfordert einen erheblichen organisatorischen und bürokratischen Aufwand. Neben Registerstudien und Therapieoptimierungsstudien nehmen wir auch an internationalen Zulassungsstudien teil und sind als verantwortliche Untersucher (investigator, Prüfarzt) bei den lokalen Ethikkommissionen gemeldet, behördliche Kontrollen erfolgen bei internationalen Studien sogar über die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA).
Ob für sie eine Teilnahme an Studien sinnvoll ist, ob diese Studien bei uns angeboten werden oder wir sie an ein weiteres Zentrum vermitteln, kann nur im persönlichen Gespräch geklärt werden.